Theaterarbeiten von Mascha Pörzgen

Margarete

Rezension "Der Opernfreund"

(Auszug / Zitat )

(...) Die Regisseurin thematisiert den Generationenkonflikt. Sie siedelt das Stück in einer überalterten Gesellschaft an, in der die vielen Alten ihre Wunschträume auf die wenigen jungen Leute projizieren. Margarethe arbeitet als Altenpflegerin in einem ebenfalls von Cordelia Matthes verantworteten modernen Pflegeheim. Die Bühne wird von zahlreichen Krankenbetten eingenommen, in der die alten Menschen von Margarethe und dem Zivildienstleistenden Siebel versorgt werden, bis sie schließlich von den heimkehrenden Soldaten rüde aus ihren Betten geworfen werden. Solch gefühlloses Verhalten zeigt krass auf, wie junge Menschen sich immer mehr von der Verantwortung für die ältere Generation lossagen. Mit diesem kalt anmutenden Ambiente und Geschehen hatten viele Zuschauer erhebliche Schwierigkeiten. Zugegeben, dieser Rahmen hat ziemlich kalt und desillusionierend gewirkt. Indes machte der Regieeinfall durchaus Sinn, wurde doch auf diese Weise Margarethes aufopferungsvolle Hilfsbereitschaft, ihre Güte und Warmherzigkeit besonders gut sichtbar. Das Mädchen erfuhr so eine Idealisierung, wie man sie in konventionellen Produktionen selten findet. „Unsinn“, wie ein Premierenbesucher zur Pause erbost in den Raum rief, war das jedenfalls nicht, sondern im Gegenteil gut durchdacht. Darüber hinaus wurde das Ganze von der Regisseurin, v. a. im dritten Akt, äußerst spannend und stringent umgesetzt. Frau Pörzgen versteht es, mit Sängern zu arbeiten und das letzte aus ihnen herauszuholen. Das ist hohe Regiekunst. Über Konzepte lässt sich trefflich streiten. Rein handwerklich steht das große Können dieser Regisseurin außer Frage. Bereits bei der Premiere wurde diese zwar zugegebenermaßen nicht gerade schöne, aber durchaus interessante Inszenierung sehr kontrovers aufgenommen. Heftige Buhrufe der konventionell eingestellten Besucher prallten auf begeisterte Bravos der zeitgenössischen Deutungen etwas aufgeschlossener gegenüberstehenden Teile des Auditoriums. Es war wohl das erste Mal, dass in Pforzheim derart kräftig gebuht wurde. Man kam sich vor wie bei einer Premiere an einem großen Haus. Mit dieser Produktion hat das moderne Regietheater jetzt auch in dem kleinen Theater Pforzheim Einzug gehalten, was aber auf keinen Fall negativ zu sehen ist. Im Gegenteil hat dieses auf den ersten Blick wenig erbauende Buhkonzert einen sehr positiven Nebeneffekt, der nicht hoch genug zu veranschlagen ist: Dass das kleine, hochkarätige, bisher aber leider nicht hinreichend beachtete kleine Pforzheimer Theater mit dieser Aufführung jetzt endlich auch einmal in die Kontroverse geraten ist, ist positiv zu werten. Solche umstrittenen Regiearbeiten sind es, die weit über den Enzkreis hinaus Interesse erregen, über die lautstark diskutiert wird und zu denen man letztlich sogar pilgert. Diese den Zuschauer nachhaltig mit neuen Sehgewohnheiten konfrontierende „Margarethe“ stellt einen gewaltigen Umbruch in der Geschichte des sich bisher sehr gediegen ausnehmenden Pforzheimer Theaters dar, das mit dieser umstrittenen Produktion hoffentlich jetzt auch überregional auf sich aufmerksam machen wird. (...)


Rezension Pforzheimer Zeitung

(Auszug / Zitat)

Es ist immer noch eines der Tabu-Themen unserer Gesellschaft: Darf eine alter Mann mehr als nur väterliche Gefühle für eine sehr junge Frau empfinden? Oder etwa eine alte Frau für einen Jahrzehnte jüngeren Mann? Die Gier nach Jugend, der Wunsch, dem eigenen gebrechlichen Körper entfliehen zu können - das sind die Aspekte, die Regisseurin Mascha Pörzgen ins Zentrum ihrer Inszenierung der Gounod-Oper "Margarethe" rückt. Und die bei der Premiere am Samstagabend im Theater Pforzheim für begeisterte Bravo-Rufe, aber nicht minder empörte Buh-Rufe sorgte.
Was ist es, das das Publikum sich so an der Opern-Sicht der Regisseurin reiben lässt? Pörzgen reduziert und stilisiert. Und deutet den Faust-Stoff in eine Richtung, die wenig mit einer romantisch-konservativen Vorstellung gemein hat. Dazu kommt das Bühnenbild von Cordelia Matthes, das bis auf wenige Requisiten und einen dunklen Vorhang kaum Ablenkung bietet, die handelnden Personen um so stärker ins Blickfeld rückt.

Pörzgen erzählt die Geschichte ganz aus der Sicht Margarethes, rückt sie in die Gegenwart. Und zeichnet das Bild einer Frau, die als Opfer schlechthin geboren ist, die das Böse geradezu magisch anzieht. Eine Geschichte, in der der von einem Schlaganfall entstellte, alte Faust schnell eine Spießgesellen findet, der ihm nicht nur die Jugend mit Medikamenten und Drogen zurückbringt, sondern der ihn und seine weibliche Beute wie Marionetten für sich tanzen lässt. Es ist ein böser Reigen, in dessen Zentrum Mephisto sich stellt: Die unmenschlichen Zustände im Pflegeheim mit den vernachlässigten Senioren und den gewalttätigen Veteranen macht er sich zu Nutzen: Als schrecklicher Clown mit roter Perücke und Knollennase lässt er Margarethe direkt in die Arme Fausts taumeln. Lässt das ganze Pflegeheim in eine Orgie aus Lust verfallen - mit ihm als Zeremonienmeister.

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"Lucia di Lammermoor"



Tiroler Tageszeitung


Das Leading Team der am Sonntag gut aufgenommenen Neuinszenierung am Tiroler Landestheater gestaltet das Paradestück der romantischen Oper daher ohne heutige Bildsymbole ganz aus der historischen Bedingung heraus: als leidenschaftlich lodernde Sängeroper.

Christof Cremer baute die Bühne skulpturähnlich als erdrückende Burg mit dunklen Gängen und Winkeln zu, mit schrägen Treppen im Festsaal, der keiner ist. Rottöne dominieren, auch in den historisch angelehnten Kostümen. Schwarz und nachtblau kommen hinzu, Reinhard Jäkel beleuchtet dramatisch. In diesem Ambiente schimmert Lucias bräutliches Weiß geisterhaft auf.

Regisseurin Mascha Pörzgen schenkt diese „Lucia“ der Musik. Sie inszeniert in Gemälden, schnörkellos und statisch, aber keineswegs hilflos. Die drei Protagonisten singen zwar häufig an der Rampe und direkt ins Publikum, jeder unendlich allein mit seinen überlebensgroßen Gefühlen, doch kann Pörzgen die Emotionen durch die oft gegensätzlich tönende Musik wirksam machen. Anfangs zeigt sie Lucias mädchenhaften Übermut und Eigensinn, lässt sie dann am Leiden reifen und sehr bewusst den Gatten vor dem Vollzug der Ehe ermorden.


Katja Kabanovna


"Mascha Pörzgen gelang mit zwingender Personenregie eine packende Wiedergabe der traurigen Geschichte um Katja, der traurigen Geschichte um Katja, deren Träume an der Starre uralt überkommener Konventionen zerbrechen" (Orpheus)

"Regisseurin Mascha Pörzgen hat sich für ihre Inszenierung ausgesprochen düstere und trostlose Bilder voller Hoffnungslosigkeit ausgedacht, und macht Leos Janaceks Oper "Katja Kabanovna" am Staatstheater Braunschweig gemeinsam mit Ausstatterin Dietlind Konold zu einem eindrucksvollen Drama zwischen Liebe, Angst und Gewissensnot." (Cellesche Zeitung)


Die Zauberflöte

 


"Im Spiel wird der Mensch gut: Mascha Pörzgen inszeniert eine verspielte, ideenreiche und unterhaltsame Zauberflöte, die aber keineswegs naiv ist und nicht zuletzt dank einer musikalisch ordentlichen Umsetzung rund drei Stunden in eine wundersame Kinderwelt entführt." (omm.de)

"Den Vogel schoss die "Zauberflöte" ab. Die Inszenierung der Mozart-Oper erhielt gleich zwei Oscars, einen für die beste Musiktheater-Regie (Mascha Pörzgen) und einen für das Bühnenbild (Christof Cremer)." (Rheinische Post)


Lustige Weiber von Windsor


"Das begeisterte Publikum erlebte ein klares und herzerfrischendes «Ja» zum Komödiengenre, das sich mit natürlicher Leichtigkeit zu einem effektvollen Feuerwerk der guten Laune entwickelte und gespickt mit niveauvollem Charme und ästhetischen Frivolitäten beinahe den Geist eines Billy Wilder heraufbeschwor.(...) Mit der vierten musikalischen Premiere der laufenden Spielzeit ist der Intendanz ein Volltreffer gelungen, der Mut zur Komödie demonstriert und unbeschwert und federleicht die Lachmuskeln aufweckt - ein musikalischer Theatergenuss für Jung und Alt." (Aachener Zeitung)


Eugen Onegin



"Mit einer sensibel inszenierten, optisch hinreißenden und mit erstklassigen Solisten besetzten Neuinszenierung der hierzulande wohl berühmtesten Tschaikowsky-Oper gelingt dem finanziell weitaus schlechter als manche "Konkurrenzbetriebe" dastehenden Theater Krefeld-Mönchengladbach ein letzter Höhepunkt in einer ohnehin künstlerisch erfolgreichen Spielzeit." (omm.de)